Doch für uns war es ein Zuhause. Erinnerungen an Ostern
Ostern liegt am Ende der Zeit, in der die Straßen leiser
und die Erinnerungen lauter werden.
Es war kein großer Ort, kein Fleck auf den Landkarten der Welt.
Es war ein Dorf zwischen Feldern und Weinbergen,
mit staubigen Gassen und alten Höfen.
Doch für uns war es ein Zuhause.
Wir spielten auf den Straßen, bis unsere Mütter uns beim Namen riefen.
Kein Auto störte unser Lachen, nur das Klappern eines Wagens
und das Bellen eines Hundes am Tor.
Auf dem Schulhof klang der Kinderlärm wie eine eigene Melodie.
Dort wurden Freundschaften geschlossen,
kleine Kriege geführt und am nächsten Tag wieder vergessen.
In den Weinbergen heckten wir unsere Jungenstreiche aus.
Wir kannten jeden Weg, jeden Graben und jeden Zaun
und glaubten, dass hinter dem Hügel die Welt aufhöre.
Wir kletterten auf die alten Akazienbäume,
die Hände voller Harz, die Knie voller Schrammen.
Von oben sah das Dorf aus wie der Mittelpunkt der Erde.
Barfuß jagten wir dem Fußball nach, über Wiesen und staubige Plätze.
Zwei Steine wurden zum Tor, und jeder Treffer war ein kleines Stück Ewigkeit.
Unter dem alten Nussbaum saß oft jemand mit einem Akkordeon.
Seine Melodien zogen durch den Abend, über Gärten und Höfe,
als wollten sie die Zeit anhalten.
Heute sind viele Häuser still, manche Wege verwachsen,
und viele von uns leben fern.
Doch wenn der Wind nach Erde riecht
und irgendwo ein Akkordeon erklingt,
dann kehrt das Dorf zurück.
Ostern im Banat, für andere nur ein Name.
Für uns war es eine Kindheit.
Für uns war es die ganze Welt.
Und für uns wird es immer ein Zuhause bleiben.
Eingesandt von Franz Harter.
Sein Zitat "Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern die Summe unserer Erinnerungen"